Hindernisse für neuen Stadtteil im Nordwesten

Äcker, Klima, Verkehr, Nachbarn und Verdichtung

BFF-Fraktion - Stellungnahme 36-17

Es wäre keine Überraschung mehr, wenn Planungsdezernent Josef (SPD) noch vor der Sommerpause als eines der Ergebnisse des vorzulegenden Stadtentwicklungskonzepts das Projekt eines neuen Stadtteils auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen der Nordweststadt/Niederursel und den Nachbargemeinden Steinheim und Oberursel-Weißkirchen präsentieren würde. Die Öffentlichkeit ist durch allerlei gezielt gestreute Informationen und Berichte bereits darauf vorbereitet worden. Josef selbst steht unter erheblichem Druck, für seinen Parteifreund und Förderer, Oberbürgermeister Feldmann („Wohnen, wohnen, wohnen“) endlich mal im großen Maßstab zu liefern. Und der gesamte Magistrat aus CDU, SPD und Grünen will beweisen, dass er etwas tut, um dem Bevölkerungswachstum mit dem damit verbundenen Bedarf an möglichst „bezahlbaren“ Wohnraum gewachsen zu sein.

Es gibt allerdings erhebliche Hindernisse für die Realisierung eines neuen Stadtteils im Nordwesten. Da ist einmal das Problem der für die Bebauung der Flächen notwendige Versiegelung von sehr fruchtbaren Böden. Matthias Mehl, Landwirt und ehrenamtlicher Stadtrat der CDU in Frankfurt, sagt dazu: „Freiflächen zu versiegeln, ist kein Kavaliersdelikt. Die Fläche kommt nie wieder zurück, sie wird nie wieder Acker und damit Landschaft und Natur.“ Und noch ein weiteres ökologisches Argument spricht gegen das Projekt, auf das ein kundiger Bürger aufmerksam macht: „Das Gebiet liegt auf der direkten Verbindungslinie zwischen Taunusrücken und Stadtmitte und fungiert so als Frischluftzufuhr für die Stadt. Würde es bebaut und versiegelt, dann würde hier die Luft ausgebremst und erwärmt.“

Es ist zudem absehbar, welche Verkehrsprobleme mit diesem Stadtteil verbunden wären, der von der A 5 durchschnitten wird. Um eine angemessene Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr zu ermöglichen, bedürfte es hoher Investitionen der Stadt. Die Begeisterung der Nachbargemeinden, die mit dem neuen Stadtteil eine unmittelbare Grenze zur Großstadt bekämen, hält sich schon jetzt in Grenzen. So haben die Oberurseler Grünen bereits den Antrag gestellt, Oberursel solle „alle Optionen nutzen, die Entstehung eines solchen Baugebietes zu verhindern“.

Zwar sind die anderen politischen Kräfte in Oberursel wie in Steinbach noch zurückhaltender. Doch  wird dies spätestens dann vorbei sein, wenn ihnen bewusst wird, was sich als das größte Hindernis für die Realisierung des geplanten Stadtteils erweisen dürfte: Die hohe Verdichtung bei der Bebauung, auf die Josef schon deshalb nicht verzichten will und kann, weil sonst die Opferung wertvoller Böden nicht verantwortbar wäre, aber auch wegen der politisch gewünschten Ansiedlung einer möglichst hohen  Zahl von wohnungssuchenden Menschen mit beschränktem Einkommen dort. Deshalb würde der neue Stadtteil in Dichte und Höhe weit mehr dem Nordend als dem locker bebauten Riedberg gleichen. Welche sozialen Probleme neben allen anderen damit verbunden sein dürften, wird für Diskussionsstoff in den Nachbargemeinden, aber auch im Römer noch zur Genüge sorgen.